Der Codex Hammurapi
Zusatztext
Der Codex Hammurapi ist kein Gesetzbuch im modernen Sinn, sondern eine kunstvoll komponierte Sammlung königlicher Rechtssprüche, eingeleitet und beschlossen durch einen theologisch legitimierenden Prolog und Epilog. In präziser, kasuistischer Form ("Wenn, dann ") ordnet der Text Fragen von Eigentum, Handel, Familie, Körperverletzung, Sklaverei und sozialer Rangordnung. Sein Stil verbindet juristische Nüchternheit mit monumentaler Herrschaftsrhetorik und steht im Kontext der altbabylonischen Schriftkultur, in der Recht, Religion und Königtum untrennbar verschränkt erscheinen. Hammurapi, König von Babylon im 18. Jahrhundert v. Chr., regierte ein expandierendes Reich, dessen unterschiedliche Städte, Traditionen und Wirtschaftsformen administrativ zusammengeführt werden mussten. Die Zuschreibung des Codex an ihn ist daher auch politisches Programm: Der Herrscher präsentiert sich als von den Göttern berufener Garant von Ordnung und Gerechtigkeit. Militärische Konsolidierung, Urbanisierung und komplexe Vertragsbeziehungen dürften die Formulierung eines solchen normativen Monuments begünstigt haben. Für Leser der Rechtsgeschichte, Altorientalistik und politischen Theorie bietet Der Codex Hammurapi einen außergewöhnlichen Zugang zu den Grundlagen schriftlich fixierter Normativität. Das Werk empfiehlt sich nicht als zeitloses Modell gerechter Strafe, sondern als Schlüsseltext zum Verständnis früher Staatlichkeit, sozialer Hierarchien und der symbolischen Macht des geschriebenen Rechts.
Weitere Details
Erschienen: 23.06.2025
Umfang: 32 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.2 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788028391881
Umbreit-Nr.: 7095428
