Georg Letham, Arzt und Mörder
Schuldpsychologie, Medizinethik und Seuchenforschung zwischen Wiener Moderne und Tropeninsel
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Zusatztext
Georg Letham, Arzt und Mörder entfaltet als fingierte Selbstrechtfertigung eines Arztes die Geschichte eines Gattenmordes, einer Verurteilung und einer paradoxen Läuterung im Dienst medizinischer Forschung. Weiß verbindet kriminalistische Spannung mit klinischer Präzision und existenzieller Gewissenserforschung: Lethams rationalistische Sprache enthüllt gerade dort Schuld, wo sie Objektivität behauptet. Der Roman steht im Kontext der deutschsprachigen Moderne zwischen Expressionismus, psychologischem Realismus und der Krise positivistischer Wissenschaftsgläubigkeit. Ernst Weiß, 1882 in Brünn geboren, war selbst Arzt, Kriegschirurg und ein enger Beobachter der zerstörerischen Verflechtung von Körper, Macht und Moral. Seine medizinische Ausbildung, die Erfahrung des Ersten Weltkriegs sowie seine Nähe zum Prager literarischen Milieu um Franz Kafka prägten seine schonungslose Darstellung innerer Zerrissenheit. Als jüdischer Autor im Exil schrieb Weiß aus einer Zeit, in der Humanität, Vernunft und wissenschaftliche Autorität radikal erschüttert wurden. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die einen intellektuell anspruchsvollen Roman suchen, der Schuld nicht sentimentalisiert, sondern analysiert. Georg Letham, Arzt und Mörder ist ein beklemmendes Meisterwerk über Verantwortung, Selbsttäuschung und die gefährliche Kälte einer Vernunft, die sich von Mitgefühl trennt.
Weitere Details
Erschienen: 01.12.2023
Umfang: 344 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 1.9 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788028343118
Umbreit-Nr.: 2780601
