Ein Volksfeind
Wasserverseuchung, öffentliche Meinung und Bürgertum in einem norwegischen Drama des 19. Jahrhunderts
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Zusatztext
Ein Volksfeind entfaltet die Geschichte des Badearztes Dr. Thomas Stockmann, der eine gesundheitsgefährdende Verseuchung der städtischen Heilquellen entdeckt und damit die ökonomische Grundlage seiner Gemeinde bedroht. Ibsen gestaltet diesen Konflikt als präzises realistisches Drama: knappe Dialoge, argumentative Zuspitzung und schonungslose Enthüllung bürgerlicher Interessen verbinden sich zu einer Kritik an Mehrheitsmeinung, Presse und politischer Opportunität. Im Kontext des europäischen Naturalismus und des modernen Problemstücks markiert das Werk einen entscheidenden Schritt zur gesellschaftsanalytischen Bühne. Henrik Ibsen, 1828 in Norwegen geboren, schrieb aus der Perspektive eines Autors, der gesellschaftliche Konventionen und moralische Selbsttäuschungen zeitlebens misstrauisch betrachtete. Seine Erfahrungen mit öffentlicher Empörung, besonders nach Gespenster, schärften vermutlich sein Interesse an der Frage, wie Wahrheit in einer Gemeinschaft unterdrückt wird, sobald sie Besitzstand, Ansehen oder Macht gefährdet. Stockmanns Isolation trägt daher unverkennbar Züge von Ibsens eigener intellektueller Unabhängigkeit. Dieses Buch sei allen empfohlen, die Literatur als Instrument der Erkenntnis verstehen. Ein Volksfeind bleibt erschreckend aktuell, weil es zeigt, wie wissenschaftliche Evidenz, Gemeinwohl und demokratische Rhetorik miteinander kollidieren können. Wer die moralischen Spannungen moderner Öffentlichkeit begreifen möchte, findet hier ein meisterhaftes, unbequemes und unverzichtbares Drama.
Weitere Details
Erschienen: 16.12.2022
Umfang: 180 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 1 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027353927
Umbreit-Nr.: 7970330
