Mensch und Gott
Religionsphilosophische Essays zu Erkenntniskritik, Metaphysik und Weltanschauung im frühen 20. Jahrhundert
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Zusatztext
"Mensch und Gott" entfaltet Chamberlains Versuch, das Verhältnis von menschlicher Erkenntnis, religiöser Erfahrung und metaphysischer Ordnung systematisch zu bestimmen. In essayistisch-philosophischer Prosa verbindet das Buch spekulative Theologie, idealistische Erkenntniskritik und kulturgeschichtliche Deutung; sein Stil ist zugleich gelehrt, pathetisch und programmatisch. Literarisch steht es im Umfeld jener weltanschaulichen Schriften des frühen 20. Jahrhunderts, in denen Religion, Kunst und Nation zu umfassenden Sinnsystemen verschmolzen werden. Chamberlain, 1855 in England geboren und später naturalisierter Deutscher, war durch seine Wagner-Verehrung, seine Nähe zu Bayreuth und seine polemischen kulturhistorischen Arbeiten geprägt. Seine Bildung in Naturwissenschaften, Philosophie und Musikästhetik förderte den Anspruch, Glauben und Wissen in einer einheitlichen Deutung der Kultur zusammenzuführen. Zugleich ist sein Denken untrennbar mit völkischen und antisemitischen Ideologien verbunden, die jede Lektüre kritisch historisieren muss. Empfohlen sei das Buch daher weniger als zeitlose Glaubenslehre denn als aufschlussreiches Dokument einer Epoche, die metaphysische Sehnsucht mit politischer Weltanschauung verknüpfte. Wer sich für Ideengeschichte, Religionsphilosophie, Wagner-Rezeption oder die geistigen Voraussetzungen des deutschen Nationalismus interessiert, findet hier ein wichtiges, problematisches Quellenwerk. Eine heutige Lektüre gewinnt ihren Wert gerade aus der distanzierten Analyse seiner Rhetorik, Voraussetzungen und Wirkungen.
Autorenportrait
Houston Stewart Chamberlain (1855 - 1927) war ein englisch-deutscher Schriftsteller, Verfasser zahlreicher populärwissenschaftlicher Werke mit pangermanischer und antisemitischer Einstellung. Er wurde als einer wichtigsten intellektuellen Wegbereiter des nationalsozialistischen Raassismus gesehen. Chamberlain schuf mit den Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts ein Standardwerk des theoretischen Rassenantisemitismus, das einen großen Einfluss auf die Vorstellungen Adolf Hitlers hatte. Im August 1916 wurde er deutscher Staatsbürger. 1917 trat er in die Deutsche Vaterlandspartei ein. Seine letzte größere Veröffentlichung zu Lebzeiten war eine autobiographische Zusammenstellung verschiedener Briefe und Texte, 1919 unter dem Titel "Lebenswege meines Denkens" veröffentlicht.
Weitere Details
Erschienen: 14.12.2022
Umfang: 160 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.9 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027345601
Umbreit-Nr.: 7956039
