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Wege zur frühen Schrift: Niltal und Zweistromland

Cover von Wege zur frühen Schrift: Niltal und Zweistromland

Thot. Beiträge zur historischen Epistemologie und Medienarchäologie 3

Morenz, Ludwig D/Stauder, Andréas/Büma, Beryl

EB-Verlag DR. Brandt e.K.

78.00

(inklusive MwSt.)

Verfügbarkeit: Besorgungstitel, Festbezug

Zusatztext

Schrift scheint allgegenwärtig. Mitunter wird sie als ein definierendes Merkmal von Zivilisation gepriesen, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart gilt sie als identitätsstiftend. Eben diese Evidenz verdeckt, dass Schrift keineswegs selbstverständlich gegeben ist. Schrift wurde an verschieden Orten und zu verschiedenen Zeiten ohne Ableitung aus bereits bestehenden Schriften, neu geschaffen: zuerst und etwa zeitgleich im späten Vierten Jahrtausend im südlichen Zweistromland und im ägyptischen Niltal. Primäre Schriftentstehungsprozesse sind von sekundären Schriftentstehungsprozessen grundlegend verschieden. Nur in sekundären Schrifterfindungen hatte man schon eine Vorstellung von dem graphonetischen System Schrift. Die Schöpfer der primären Schriften konnten hingegen auf kein Modell von Schrift zurückgreifen, erschufen also ein neues Medienobjekt, das erst im Prozeß zu Schrift werden sollte. In vorliegendem Band werden Wege zur frühen Schrift im Niltal und im Zweistromland besprochen. Die Gegenüberstellung von Niltal und Zweistromland während des Vierten und frühen Dritten Jahrtausends entspricht dem Geiste eines kontrastiven Komparatismus: nicht um ein gemeinsames Narrativ zu schaffen, sondern um Fragestellungen zu schärfen; aber auch um verschiedenen Entwicklungsstränge, die zur Schrifterfindung führten, zu erkennen. Die Akteure handelten seinerzeit polyphon im Horizont ihrer polyphon-mehrschichtigen Gesellschaft. Die in den Beiträgen angesprochenen Themenkreise sind entsprechend divers und polyphon: frühe Schrift als visuelle Kommunikation und als Abbildung von Sprache; Kontexte, Akteure und Handlungsräume früher Schrift; Materialität und Formate der Schriftträger; Experimente, graphische Varianz, Norm und Standardisierung; distinktive graphische Ideologien usw. Dabei sind unsere Wege, die wir zeitlich in umgekehrte Richtung gehen, nicht nur wegen der lückenhaften Beleglage holprig, sondern auch, weil das betroffene Objekt - frühe Schrift im starken Sinne - von dem uns vertrauten Objekt - Schrift (als naturalisierte Evidenz) - wesentlich verschieden ist.

Weitere Details

Erschienen: 25.11.2022

Umfang: 421 S.

Sprache: Deutsch

Einband: GEB

ISBN/EAN: 9783868930955

Umbreit-Nr.: 4982391

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