Lomonosovs 'Kurze Anleitung zur Rhetorik' - Ansätze einer erweiterten Rhetorikdefinition
Zusatztext
Lomonosovs erste Abhandlung über die Wissenschaft der Rhetorik, die"Kurze Anleitung zur Rhetorik"als kleinen Bruder der umfassenden zweiten rhetorischen"Kurzen Anleitung zur Redekunst"zu bezeichnen, würde das Maß tolerierbaren Schmeichelns und verträglicher Schönfärberei in jedem Falle übersteigen. Die erste Rhetorik Lomonosovs lässt sich wohl eher als uneheliches Kind - oder treffender noch: als beklagenswert missbrauchtes Versuchskaninchen der zweiten Rhetorik bezeichnen, zeichnet sie sich in Bezug auf diese doch durch ein dermaßen hohes Maß an Inkonsequenz in Struktur und Logik aus, dass man sie als nichterwähnenswert abtun müsste, gäbe es nicht ihre erwähnte große Nachfolgerin, mit deren Hilfe es möglich ist, auch dem ersten Rhetorikentwurf einiges Nennenswertes zu entlocken. Und dies soll mit der vorliegenden Arbeit auch versucht werden: darzulegen, inwiefern schon die erste Rhetorik des russischen Workaholics Lomonosov bemerkenswerte Tendenzen und Aspekte einer Rhetorikdefinition aufweist, die dessen zweitem Rhetorikversuch zu der vielbeachteten Resonanz verhalfen. Lomonosovs "Kurze Anleitung zur Rhetorik" verweist neben der Vielzahl an inhaltlichen Mängeln auf ein vielschichtiges, umfassendes Rhetorikverständnis, das neben autobiographischen und der russischen Sprache spezifischen Prägungen auch die kulturellen Strömungen des Barock1und die beachtlichen Auswirkungen der russischen Diglossie auf Denken und Weltsicht russischer Wissenschaft in sich vereinigt und verteidigt2. So lassen sich die unübersehbaren Mängel des ersten rhetorischen Werks mitunter gerade auf das bei Lomonosov bereits vorgeformte um vieles umfassendere, aber noch nicht bis in alle Konsequenzen entwickelte Rhetorikkonzept zurückführen. Der gescheiterte erste Versuch des Dichters, eine hochwertige und der russischen Sprache spezifische Rhetorik auszuarbeiten, hat seinen Ursprung in dem schon zu Zeiten des ersten Werkes viel tiefer gehenden Rhetorikverständnis, welches der Redekunst einen universalen Zuständigkeitsbereich einräumt, der sich auf Prosa und Poesie bezieht.
Weitere Details
Erschienen: 01.11.2005
Umfang: 31 S., 0.59 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638434089
Umbreit-Nr.: 6869778
