Die Homogenität des Heterogenen
eBook - Über die Einheitlichkeit der Mischkriterien zur Wortartenbestimmung in der traditionellen Grammatik, dargestellt am Beispiel der morphologischen Wortartenklassifikation Sebastian Kempgens für das Russische
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Zusatztext
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage der Wortartenklassifikationen. Diese basieren in der traditionellen Linguistik meist auf Mischkriterien, was ihnen Vorwürfe von verschiedenen Seite eingebracht hat. Am Beispiel von Sebastian Kempgens (1981) auf einheitlichen Kriterien beruhender Wortartenklassifikation für das Russische wird jedoch gezeigt, dass einheitliche Kriterien im Ergebnis hinter den traditionellen Kriterien zurückbleiben, da sie den komplexen Strukturen der Sprache nicht gerecht werden können. Klassifikationen sind die Sorgenkinder der Wissenschaftler: Die Biologen streiten sich dar-über, wie viele DNA-Abschnitte man ein Gen nennen könne, die Literaturwissenschaftler weigern sich hartnäckig, die Frage zu beantworten, wann ein Drama ein Drama zu nennen sei, und die Mediziner wissen neuerdings nicht einmal mehr genau, wann ein Mensch tot ist. Was den Biologen das Gen, den Literaturwissenschaftlern die Gattung und den Medizinern der Tod ist, das sind den Sprachwissenschaftlern die Wortarten. Befreit von der Dogmatik der antiken Wortartenlehre und beflügelt von dem Wissen um Sprachen, die dem indogermani-schen Muster so gar nicht entsprechen wollen, erreichen die Meinungsverschiedenheiten zu diesem ewigen Thema der Sprachwissenschaft immer höhere Diversifizierungsgrade. Jede linguistische Schule hat ihre eigenen Ansichten zu Sinn und Unsinn von Wortartenklassifika-tionen und "definitionen, und die Frage, was sich letztendlich hinter dem Wortartenkonzept verbergen soll, wie man Wortarten sinnvoll klassifizieren kann und ob dies überhaupt not-wendig sei für die Sprachbeschreibung, verbleibt somit abendfüllender Diskussionsstoff der widerstreitenden Kräfte in der Linguistik. Das Verhältnis der Linguisten zu den Wortarten ist geprägt von Kritik und Resignation , selten nur noch findet man schließlich Formulierungen, die sich ähnlich euphorisch wie die Folgende auf die Wortartenkonzeption beziehen: Die großen Klassifikationssysteme, die in den Naturwissenschaften erst in der Neuzeit entwickelt wurden ["] oder noch werden (z. B. die Beschreibung der Struktur des menschlichen Genoms), sind für die Sprache bereits in der Antike geschaffen worden.
Weitere Details
Erschienen: 29.05.2008
Umfang: 23 S., 0.53 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638055208
Umbreit-Nr.: 6616324
