Mobilmachung für den totalen Krieg
Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Studien zur modernen Geschichte 18
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Zusatztext
Auf der Suche nach einer Erklärung für die Niederlage im Ersten Weltkrieg, die sie selbst möglichst wenig belastete, entwickelten fiihrende Militärs eine Kriegstheorie, die der Zivilbevölkerung eine entscheidende Rolle im Kriegsgeschehen zuschrieb und diese deshalb auch mit für den Kriegsausgang verantwortlich machen konnte. Die zuerst in der ,Dolchstoßlegende' politisch wirksam gewordene Lehre vom ,totalen Krieg', die in den zwanziger und dreißiger Jahren immer weiter ausgebaut und ver feinert wurde, besagte, daß der Kampf mit den Waffen nur ein Element des ,moder nen' Krieges sei, neben dem der wirtschaftliche und geistige Kampf als gleichberech tigte, wenn nicht ausschlaggebende Faktoren ständen. Entsprechend sei ein künftiger Krieg, der weithin als eine Art Naturnotwendigkeit angesehen wurde, nicht nur mili tärisch und ökonomisch, sondern auch propagandistisch vorzubereiten. Diese die wirtschaftliche und technische Entwicklung wie die Kriegserfahrungen durchaus reflektierende und zum Teil auch in anderen Staaten vertretene Kriegstheorie fand gerade in konservativen Kreisen der deutschen Bevölkerung so große Resonanz, nicht nur, weil sie die Militärs entlastete, sondern auch, weil sie sich als politische Waffe gegen die Träger der abgelehnten Weimarer Demokratie einsetzten ließ und darüber hinaus einen Weg wies, die durch den Versailler Vertrag erzwungene militärische Ab rüstung durch ,geistige' Aufrüstung zumindest partiell zu kompensieren. Verbunden mit der Ausbreitung der Theorie des ,totalen Krieges' war eine zu nehmende Beschäftigung mit Fragen der Propagandatheorie und -technik, eine Ent wicklung, die sich am massivsten in der propagandistischen Praxis der NSDAP nie derschlug und nicht wenig zum Erfolg der Partei beitrug.
Autorenportrait
InhaltsangabeFragestellung und Literaturübersicht.- I. Die ,Lehren'des Ersten Weltkriegs.- 1. Herausbildung der Theorie des ,totalen Krieges', insbesondere der psychologischen Mobilmachung.- 2. Rezeption durch Hitler und die NSDAP.- II. Der Propagandaapparat.- 1. Propaganda- und Zensurinstitutionen von Regierung und Partei.- a) Literatur.- b) Film.- c) Presse.- d) Rundfunk.- 2. Zeitungswissenschaft im Dienst der Propaganda.- 3. Propagandainstitutionen der Wehrmacht.- 4. Wehrpolitische Gesellschaften.- a) Wehrpolitisches Amt der NSDAP.- b) Gesellschaft fur Wehrpolitik und Wehrwissenschaften.- 5. Die Universitäten als Multiplikatoren von Wehrwissenschaft und -propaganda.- III. Wehrpropaganda in der "Risikozone".- 1. Friedenspropaganda und Tarnung der Aufrüstung.- 2. Beginn der psychologischen Aufrüstung und propagandistische Unterstützung der Revisionspolitik.- a) Prohibitive Propaganda.- b) Sympathiewerbung fur die Wehrmacht.- c) Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.- d) Remilitarisierung des Rheinlandes.- IV. Wehrpropaganda in der Phase der Konsolidierung und der Expansionsvorbereitungen.- 1. Weiterentwicklung und Verbreitung der Theorie psychologischer Kriegführung und -vorbereitung.- a) Wehrwissenschaft.- b) Propagandawissenschaft.- 2. Wehrerziehung der Jugend.- a) Kooperation von Universitat, Wehrmacht, staatlicher Burokratie und Partei bei der Effektivierung schulischer Wehrerziehung.- b) Wehrkunde als integrierter Bestandteil aller Unterrichtsfacher.- c) Wehrgeistige Erziehung in paramilitarischen Organisationen.- 3. Intensivierung der allgemeinen Wehrpropaganda.- a) Theater und Literatur.- b) Film.- c) Funk.- V. Unterstützung der wirtschaftlichen Mobilmachung durch die Propaganda.- 1. Die Rolle der Propaganda in der Wehrwirtschaftstheorie.- 2. "Kanonen statt Butter!".- 3. Verbrauchslenkung.- VI. Antikommunistische und antisowjetische Propaganda.- 1. Bolschewismus - "Weltfeind Nr. 1!?.- a) Die Antikomintern.- b) Grundzüge antibolschewistischer Propaganda.- 2. Ziele antibolschewistischer Progapanda.- a) Abbau sozialer Unzufriedenheit: Bolschewistische Verhältnisse als negatives Gegenbild zum nationalsozialistischen Deutschland.- b) Rechtfertigung der deutschen Rüstungspolitik.- c) Wissenschaftliche Untermauerung der antibolschewistischen Propaganda.- d) Zusammenfassung.- VII. Volkstumspropaganda als psychobgische Vorbereitung der Expansion.- 1. Konstruktion des tschechischen Feindbildes.- 2. Propagandistische Absicherung der Annexion Österreichs.- 3. Propagandakrieg als Vorstufe der militärischen "Zerschlagung" der Tschechoslowakei.- a) Festlegung der Propagandataktik und Konkretisierung der militärischen Planung.- b) Antitschechische "Terror"-Propaganda zur Boykottierung eines Nationalitätenabkommens.- c) Eskalation der Aggressivitat: Die Sudetendeutschen als Märtyrer für das deutsche Volkstum.- d) Propagandistische Begleitmusik zu den Versuchen einer politischen Lösung des Konflikts.- VIII. Revision der Konzeption psychologischer Mobilmachung.- 1. Auswertung der antitschechischen Propagandakampagne.- 2. Forcierung der Wehrmachtspropaganda zur Stärkung des Selbstvertrauens.- a) Presse.- b) Rundfunk.- c) Film.- d) Nachwuchswerbung.- e) Westwall-Propaganda.- f) Luftwaffen-Propagenda und Paraden.- 3. Umstellung von Volkstums- auf "Lebensraum"-Propaganda.- IX. Prophylaktische Abwälzung der Kriegsschuld auf die voraussichtlichen Gegner.- 1. Propagandistische Behandlung der "Erledigung der Rest-Tschechei".- a) Vorbereitung und Durchführung.- b) Rechtfertigung.- 2. Suggerierung einer militärischen Bedrohung: Einkreisungspropaganda.- 3. Vertrauenswerbung für die Verbündeten.- a) Italien.- b) Sowjetunion.- X. Psychologische Mobilmachung gegen Polen.- 1. Polens Rolle in der deutschen Außenpolitik im Spiegel der Propaganda: Vom Verbündeten zum Gegner.- 2. Exposition der Propagandathemen.- 3. Steigerung der Polemik kurz vor Auslösung des Krieges.- 4. Reaktion der Propagandaführung auf die mangelnde Kriegsbegeisterung.- XI. Zusammenfassung.- Anm
Weitere Details
Erschienen: 01.01.1976
Umfang: 398 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 2.3 x 23.4 x 15.5 cm
ISBN/EAN: 9783531050638
Umbreit-Nr.: 5447994
