Blut auf Pharsalischen Feldern
Lucans Bellum Ciuile und Vergils Georgica, Hypomnemata 206, Untersuchungen zur Antike und zu ihrem Nachleben
Lucans Bellum Ciuile kann gewissermaßen als prequel zu Vergils Georgica gelesen werden. Das Epos erzählt, wie sich der Bürgerkrieg in dem historischen Moment ereignet, als die bisherigen kulturellen Werte nicht mehr und die von der augusteischen Literatur propagierten noch nicht wirksam waren. Der didaktische Anspruch der Georgica, die Folgen des Krieges zu überwinden und in eine Phase höherer Kultur einzutreten, wird aber von Lucan nicht anti-vergilisch ad absurdum geführt, sondern mit Blick auf die keineswegs ausgesöhnte neronische Gegenwart eingefordert.
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Zusatztext
Die Arbeit untersucht Lucans 'Georgica'-Rezeption und geht von der thematischen Voraussetzung aus, dass das spätere Gedicht gewissermaßen als ein prequel für das frühere zu verstehen ist. Zur Analyse dient hierbei das Konzept metapoetischer Realismus. Damit ist es möglich, zwei potentiell verschiedene intertextuelle Phänomene zu vergleichen: die effektive Präsenz literarischer Kultur auf der Ebene der Eposhandlung einerseits und solche Formen von Intertextualität andererseits, die streng genommen nur für die Leser des Gedichtes wirksam sind. Letzteren zeigt Lucan, wie sich der Bürgerkrieg in dem historischen Moment ereignet, als bisherige kulturelle Standards nicht mehr und die der augusteischen Literatur noch nicht wirksam waren. Der für die 'Georgica' wie für die gesamte Dichtung Vergils charakteristische Anspruch, die Folgen des Krieges zu überwinden und in eine Phase höherer Kultur einzutreten, wird von Lucan nicht anti-vergilisch ad absurdum geführt, sondern mit Blick auf die keineswegs ausgesöhnte neronische Gegenwart eingefordert. Damit wird zugleich nach dem Wert literarischer Kultur gefragt. Das Handeln der Helden Lucans erscheint vor dem Hintergrund der 'Georgica' gerade als fundamentale Ursache für den Skandal des Krieges; eine Heroisierung von Caesar, Pompeius oder Cato ist unmöglich. Die Diskussion um eine entweder positive oder negative Aussage des Gedichts und insbesondere des programmatischen Nerolobs ist angesichts dieser Befunde verfehlt. Die diesem Buch zugrunde liegende Doktorarbeit wurde 2018 mit dem Joachim-Jungius-Preis für herausragende Dissertationen ausgezeichnet.
Autorenportrait
Markus Kersten wurde 2017 an der Universität Rostock promoviert. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und ist Jung-Mitglied der Mommsen-Gesellschaft.
Weitere Details
Erschienen: 11.06.2018
Umfang: 358 S.
Sprache: Deutsch
Einband: GEB
ISBN/EAN: 9783525310557
Umbreit-Nr.: 3275157
